Stationäre Tiergestützte Therapie – Chancen und Risiken

bei Borderline Persönlichkeitsstörung

 

 

 

Im Rahmen des Grundmoduls 1

In der Weiterbildung „Fachpflege in der Psychiatrie“

Am Klinikum Bremen-Ost

 

22. August 2017

 

Miriam Scheer-Gerowski

Haddorfer Hauptstrasse 51, 21683 Stade                                             

 

1. Fachprüfer: Martin Adamowsky


 

Inhaltsverzeichnis

1       Einleitung. 1

2       Borderline Persönlichkeitsstörung. 2

3       Geschichte der Tiergestützten Therapie. 3

4       Die Tiergestützte Therapie und ihre Ziele. 4

5       Wirksamkeit von tiergestützter Therapie. 4

5.1        Die Biophilie Hypothese. 5

5.2        Du Evidenz. 6

5.3        Bindungstheorien. 6

6       Wirksamkeit der Tiergestützten Therapie, in Hinblick auf Klienten mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung. 7

6.1        Emotionale Fehlregulation: Tiere als Stabilisator. 7

6.2        Interpersonelle Fehlregulation: Tiere als Bindeglied zwischen Klient und Therapeuten. 8

6.2.1         Interaktionsbrücke. 9

6.3        Fehlregulation der Selbstidentität: Tiere als Selbstwirksamkeitsförderer. 10

7       Potentielle Probleme der Tiergestützten Therapie in der Psychiatrie. 11

8       Fazit 12

9       Literaturverzeichnis. 14

 

 


 

 

1Einleitung

Global betrachtet, stößt die Tiergestützte Therapie bei der Behandlung von psychisch Kranken immer mehr auf große Beliebtheit. In Australien, Kanada, England und den USA werden Tiere standardmäßig als therapeutische/pädagogische Begleittiere in Psychotherapien und Psychiatrien eingesetzt (Germann-Tillmann; Merklin; Stamm Näf, 2014, S.19). In Deutschland hingegen wird die Tiergestütze Therapie eher stiefmütterlich behandelt. Als Randerscheinung findet sie ambulant dort ihren Platz, wo der Therapeut nicht weiterkommt oder besorgte Verwandte lieber die Hilfe eines Reittherapeuten in Anspruch nehmen, statt die eines Psychologen.

Doch was ist eigentlich Tiergestützte Intervention und mit welcher Berechtigung wird ein Psychologe, Therapeut oder gar Psychiater durch ein Tier ersetzt. Können Tiere mehr als ein Studierter? Gerade in der Behandlung von Borderline Persönlichkeitsstörungen, gehen Therapeuten und Pflegeteams an ihre Grenzen. Nach Bohus, „(…) gilt die Beziehungsgestaltung in der Therapie der BPS als schwierig. Therapeuten fühlen sich irritiert im Spanungsfeld zwischen emotionaler Dichte und spröder Abweisung (…)“ (Bohus, 2002, S.21). 

In dieser Arbeit wird dargelegt, ob Tiere in der Therapie, die Brücke schlagen können, die gerade bei Klienten mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung zum Therapeuten fehlt und ob sie in der Lage sind, die oft tiefgreifenden Symptome zu lindern und welche Risiken damit verbunden sind.

Zudem wird hinterfragt, inwieweit es möglich ist, Tiere im Bereich der Psychiatrie einzusetzen und aus ihnen therapeutische Erfolge abzuleiten. Ferner wird erörtert, in welchem Maße die regelmäßige Tiergestützte Intervention als fester Bestandteil eines Therapiekonzeptes in der Psychiatrie sich auf den Behandlungserfolg speziell bei Borderline Persönlichkeitsstörungen auswirken kann. Denn bislang wurden wenige positiven Behandlungseffekte im Bereich der Dialektischen-Behavioralen Therapie (DBT) für Klienten mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung, in Studien und Erfahrungen dargestellt. Begründet liegt dies in der Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten der Tiergestützten Intervention. Zudem findet sie bei sämtlichen Erkrankungsbildern Anwendung, sodass die Vergleichbarkeit der Therapieerfolge nicht gegeben ist (Rieping; Zielke-Nadkarni, (2016). Tiergestützte Therapie als Komplementärtherapie zur DBT. In: Psych Pflege 22 (03), S. 140). Die Tiergestützte Intervention basiert auf vier Säulen: Therapie, Pädagogik, Förderung und Aktivität (Otterstedt, 2016, S. 7).

Der besondere Fokus, beschränkt sich auf die tiergestützte Therapie, da diese aus Sicht der Verfasserin direkt in den Bereich der Psychiatrie hineinfließt. Im Folgenden gibt die Arbeit dem Leser einen Einblick, über die Borderline Persönlichkeitsstörung, den geschichtlichen Werdegang der Tiergestützten Therapie und die allgemeine Wirkung von Tieren auf Menschen. Es folgt eine Darstellung der möglichen Wirkungen der Tiergestützten Therapie, fokussiert auf die Borderline Persönlichkeitsstörung und die mögliche Entstehung, der damit verbundenen Schwierigkeiten. Im Folgenden wird die Abkürzung „TGT“ für die Tiergestützte Therapie und die Abkürzung „BPS“ für die Borderline Persönlichkeitsstörung verwendet.

 

2. Borderline Persönlichkeitsstörung

Laut Bohus prägte Adolf Stern den Fachbegriff „Borderline“ schon im Jahr 1938. Dieses meint eine unscharfe und fluktuierende „Grenzlinie“, deren Zustände sich zwischen den Übergangsbereichen von Neurose und Psychose befindet (Bohus, 2002, S.3). Im Verlauf der Jahre konnten in vielen Forschungsarbeiten die Störung beschrieben, in Kriterien unterteilt und somit Therapien geschaffen werden.

Jedoch scheinen Behandlungsmöglichkeiten weiter sehr beschränkt sowie unzureichend zu sein. Ergebnisse der Follow-up-Studien zeigten, dass die anfängliche Dysfunktionalität der Klienten extrem ausgeprägt ist und dadurch klinische Fortschritte nur sehr langsam und oft erst nach Jahren erkennbar sind (Linehan, 2008, S.2).

Marsha M. Linehan Verhaltenspsychologin und Entwicklerin der Dialektischen-Behavioralen- Therapie (DBT), vertritt die Auffassung, dass der BPS eine Kombination von biologischen sowie sozialen Lerneinflüssen, und Störung der Emotionsregulation, hervorgerufen durch ein invalides Umfeld zu Grunde liegt. Daraus entstehen fünf typische Verhaltensmuster einer BPS.

1. emotionale Fehlregulation: Emotionale Instabilität, Schwierigkeiten bei der Steuerung von Wut

2. interpersonelle Fehlregulation: Instabile Beziehungen, Anstrengungen, um einen Verlust zu verhindern

3. Verhalten bezogenen Fehlregulation: Suiziddrohungen, Parasuizid, Selbstschädigende und impulsive Verhaltensweisen, zu denen auch Alkohol- und Drogenmissbrauch zählen

4. kognitive Fehlregulation: Kognitive Störungen

5. Fehlregulation des Identitätssinnes: Instabiles Selbstbild, chronische Leere

 (Linehan, 2008, S.12)

Im Fokus der Verhaltensmuster, steht vor allem die emotionale Fehlregulation oder auch der Problembereich Affektregulation. „Dies betrifft zum einen niedrige Reizschwelle für die Auslöser von Emotionen, zum zweiten hohe Erregungsniveaus, das heißt sehr heftige Emotionen, und schließlich die verzögerte Rückbildung auf das Ausgangsniveau“ (Bohus, 2002, S.6). Zur Tagesordnung stehen „überflutende Emotionen“, „Gefühlswirrwar“, -oder zeitgleich unterschiedlich, widersprüchliche Gefühle (Bohus, 2002, S.6).

Aus diesem Konglomerat resultiert nach Bohus, wie bereits in der Einleitung beschrieben, auch die Schwierigkeit für den Therapeuten oder das Pflegeteam. Bohus vermutet sogar, dass die emotionale Belastung der Therapeuten zu der hohen Abbruchrate von 75% bei unspezifischen ambulanten Psychotherapien bei BPS führt (Bohus, 2002, S.21). Im Verlauf werden die emotionale Fehlregulation, interpersonelle Fehlregulation und die Fehlregulation des Identitätssinnes von der Verfasserin in Bezug auf die TGT beleuchtet.

 

3. Geschichte der Tiergestützten Therapie 

Sylvia Greiffenhagen, Professiorin für Soziologie an der Fachhochschule Nürnbergund Oliver N. Buck-Werner beschreiben in ihrem Buch „Tiere als Therapie“ die Entstehung dieser Therapieform von den Anfängen bis heute. So beschreiben sie, dass die TGT ihre Anfänge in den angelsächsischen Staaten hatte. In Belgien ist der Einsatz für therapeutische Zwecke seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Seit dem 19. Jahrhundert entstanden die ersten Epileptiker-Zentren im deutschen Bethel. Dort hielt man Hunde, Katzen, Schafe und Ziegen und vertraute auf die Heilende Wirkung von Tieren. Anfang der sechziger Jahre wurden erste wissenschaftliche Berichte veröffentlicht, die aber eher belächelt wurden. 1969 dann der Durchbruch durch den Kinderpsychotherapeuten Levinson, der ein Buch über die Erfahrung mit Tieren, als Co-Therapeuten veröffentlichte. Ende der siebziger Gründeten Mediziner, Verhaltensforscher, Psychologen, Psychotherapeuten und Gerontologen aus England und den USA eine Gesellschaft die sich weiter mit dem Thema Tier-Mensch-Beziehung beschäftigte. In Deutschland fand das Thema zunächst wenig Sympathisanten. Eine Ausnahme bildet hier, das Therapeutische Reiten, in dem Deutschland, in Forschung und Praxis als „Vorreiter“ gilt.

In den Achtzigern Jahren holte Deutschland dann nach: erste Experimente wurden durchgeführt und Studien veröffentlicht. Die Hamburger Psychologin Simone De Smet empfahl Tiere in Alten-und Pflegeheimen, der Direktor der neurologischen Klinik Karlsruhe, Prof. Piotrowski, wollte Tiere in Kliniken erlauben und der Münchner Psychiater Theodor Grimm, verschrieb gegen psychosomatischen Störungen statt Medikamente gern ein Haustier. Bis heute wird das Thema „Tiere“ in Einrichtungen in Deutschland wie Krankenhäusern, Psychiatrien, Altenheimen und Strafvollzugsanstalten noch sehr kritisch gesehen (Greiffenhagen; Buck-Werner, 2015, S.13ff). Aufgrund der Hygienischen Bestimmungen werden Tiere in Einrichtung als potenzielle Gefahr betrachtet.

 

4Die Tiergestützte Therapie und ihre Ziele

„Die Tiergestützte Therapie soll Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die aufgrund psycho - physischer Störung oder Erkrankungen einer therapeutischen Behandlung bedürfen, helfen“ (Lederbogen, 2012, S.28).

Das Freiburger Institut hat in seiner aktuellen Projektarbeit zum Thema „Wirkmechanismen tiergestützten Therapie“ nochmals die Ziele und Methoden aufgeschlüsselt. Darin heißt es, das die TGT eine geplante und zielorientierte Maßnahme ist, die zu Wiederherstellung und Erhaltung der der körperlichen, kognitiven und emotionalen Funktionen dient. Sie fördert die Fähigkeit und Fertigkeit zur Durchführung von Aktivität und Handlung, und hat zum Ziel, die individuelle Lebenssituation zu fördern und das subjektive Wohlbefinden zu verbessern.

Es werden dabei Methoden genutzt, bei denen die Klienten mit dem Tier interagieren, über Tiere kommunizieren oder für Tiere tätig sind. Die Wirksamkeit muss überprüft werden und ist theoretisch begründet, d.h nicht zufällig oder willkürlich (Wohlfahrt; Mutschler; Bitzer (2013, S.6): Wirkmechanismen tiergestützter Therapie. Aktuelle Ergebnisse aus der Projektarbeit des Freiburger Instituts für tiergestützte Therapie. Hg. v. Freiburger Institut für tiergestützte Therapie. Freiburg (4). Online verfügbar unter http://www.tiere-begleiten-leben.de/fileadmin/medien/tiere-begleiten-leben/Forschung/Forschungbericht_4_Wirkmechanismend_Tgt.pdf.)

Die TGT kann allerdings nicht von jedem Menschen und jedem Tier ausgeübt werden. Hierzu schreibt Silke Lederbogen, Sozialpädagogin in der Psychiatrie Mainkofen, dass diese nur durch qualifizierte Therapeuten mit Ausbildung zur Fachkraft zur Tiergestützten Intervention und mit speziell trainierten Tieren durchgeführt werden könne (Lederbogen, 2012, S.28).

 

5Wirksamkeit von tiergestützter Therapie

Im Gegensatz zu Medikamenten und Therapien, könne man Tiere nicht verordnen. Es sei nicht möglich das Tier X, für Beschwerde Y, damit Mechanismus Z wirksam ist zu instrumentalisieren (Germann-Tillmann; Merklin; Stamm Näf, 2014, S.55). Boris Levinson der amerikanische Kinderpsychotherapeut, prägte die tiergestützte Psychotherapie seit 1969. Seither streben verschiedene Wissenschaftler danach, die Wirksamkeit der tiergestützten Therapie zu beweisen.  „Es wird versucht die erstaunliche Wirkung auf den Boden, naturwissenschaftlicher Theorien zu untersuchen“ (Prothmann, 2014, S.19).

So finden sich in sämtlichen Fachbüchern zum Thema der Wirksamkeit die gleichen Erklärungsmodelle. Hierbei handelt es sich um die Biophilie Hypothese, Du-Evidenz und Aspekte der Bindungstheorien. Diese Erklärungsmodelle zeigen, laut Hinde, im allgemeinen die Beziehung zwischen Mensch-Tier-Beziehung, zwischen Haustieren und unterscheidet sich fundamental von einem Mensch-Tier-Kontakt im Rahmen einer therapeutischen oder pädagogischen Beziehung (Wohlfahrt; Mutschler; Bitzer (2013, S.) zitiert nach Hinde 1997: Wirkmechanismen tiergestützter Therapie. Aktuelle Ergebnisse aus der Projektarbeit des Freiburger Instituts für tiergestützte Therapie. Hg. v. Freiburger Institut für tiergestützte Therapie. Freiburg (4). Online verfügbar unter http://www.tiere-begleiten-leben.de/fileadmin/medien/tiere-begleiten-leben/Forschung/Forschungbericht_4_Wirkmechanismend_Tgt.pdf.)

Die drei Erklärungsmodelle bilden die Basis der TGT und werden daher im Folgenden erläutert.

 

5.1        Die Biophilie Hypothese

„Eine gesunde Gefühlswelt entsteht nur durch die Verbindung mit belebter und unbelebter Natur, was insbesondere durch Tiere vermittelt werden kann“ (Prothmann, 2014, S.66).

Die Biophilie ist die Liebe zu allem Lebendigen, die laut dieser Hypothese eine genetische Veranlagung für die Mensch-Tier-Beziehung ist. Der Biologe Wilson nimmt an, dass das Interesse an allem Lebendigen beim Menschen angeboren ist und es sich nicht nur auf den reinen Instinkt begründet, sondern vielmehr es sich um ein komplexes Regelwerk, welches das Verhalten, die Gefühle, aber auch die geistige Fähigkeit, die Ästhetik und sogar die spirituelle Entwicklung des Menschen betrifft. In der Biophilie kommen neun Aspekte unterschieden. Die nachstehenden Perspektiven/Aspekte kommen in der TGT zum Tragen:

1. Die naturalistischen Perspektive, in dem der Mensch in der Natur Ruhe, Entspannung und Ehrfurcht entwickelt

2. Die ökologisch-wissenschaftliche Perspektive beschreibt die Motivation des Menschen, die Natur aufmerksam zu beobachten und systematisch zu analysieren

3. Die humanistische Perspektive hebt die tiefe empfundene, positive Verbundenheit des Menschen mit der Natur und die Fürsorge diese zu erhalten, hervor

4. Die moralische Perspektive beschreibt die Verantwortung die der Mensch gegenüber der Natur hat

5. Die ästhetische Perspektive zeigt wie der Mensch sich an der physischen Harmonie und Schönheit der Natur erfreut

6. Die negativistische Perspektive zeigt auf das der Mensch auch negative Erlebnisse in der Natur erleben kann, wie Angst, Ekel, Aversion und Antipathie

(Lederbogen, 2012, S. 31f)

Olbrich erläutert, wie stark die Biophilie, die Basis der der therapeutischen Arbeit beeinflusst und das die naturwissenschaftlichen Theorien nicht zwingend die Effekte der Tiergestützten Therapie erläutert. „Ihnen und hier behandelten Konzept der Biophilie gemeinsam ist, dass die Bedeutung von Beziehung, von Verbundenheit und Einbettung in einem Kontext und damit in einem Gefüge von Interaktionen und Rückwirkung betonen, nicht etwa kausale Wenn-dann-Aussagen, wie sie natur-wissenschaftlich-medizinischen Theorien zur Erklärung therapeutischer Effekte favorisieren“ (Ledenbogen, zitiert nach Olbrich 2003, 2012, S. 32).

 

5.2  Du Evidenz

Die Du-Evidenz beschreibt die Möglichkeit, dass zwischen einem Menschen und einem Tier Beziehung möglich ist. Dabei ist es nicht entscheidend, ob die Weise der Wahrnehmung oder der emotionalen Zuwendung, das Wesen des als „Du“ adressierten Partners trifft. Das heißt, diese Beziehungen können durchaus einseitig verlaufen (Greiffenhagen; Buck-Werner, 2015, S.22f). Der Mensch, der die tierische Du-Evidenz empfindet, sieht das Tier als Partner oder Genossen an und gibt ihm einen Namen. So wird das Tier für den Menschen ein Individuum. Hierbei ist es wichtig, dass der Mensch, subjektiv die Gewissheit hat, dass es sich in dieser Mensch-Tier-Beziehung um eine Partnerschaft handelt (Lederbogen, 2012, S.30).

Nach Auffassung von Greiffenhagen und Buck-Werner ist die Du-Evidenz die unumgängliche Voraussetzung dafür, dass Tiere therapeutisch helfen können (Greiffenhagen; Buck-Werner, 2007, S.24).

 

5.3 Bindungstheorien

John Bowlby, ein englischer Kinderpsychiater, prägte die Hypothesen der Bindungstheorie. Er nahm an, dass soziale Interaktionen mit wichtigen Bezugspersonen in der frühen Kindheit zu einem internen Arbeitsmodell führen, in dem die Umwelt und das Selbstbild abgespeichert werden. Die Emotionsregulation und das Verhalten in Beziehungen, werden durch dieses Arbeitsmodell grundlegend beeinflusst. Dass Nichtvorhandensein oder die Zurückweisung einer wichtigen Bezugsperson, hat ein negatives internes Arbeitsmodell zur Folge, woraus eine psychosoziale Fehlanpassung resultieren kann.

Nach Triebenbacher haben Menschen ein angeborenes Bedürfnis nach sozialer Interaktion, die sich bereits im Säuglingsalter durch spezifische Verhaltensweisen wie Anlächeln oder Berührung zeigt. Im weiteren Entwicklungsverlauf fokussiert sie sich zunehmend auf bestimmte Bezugspersonen. Positive Interaktionen begünstigen die Entwicklung und lassen ein optimistisches und positives internes Arbeitsmodell zu.

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass viele Aspekte der Bindungstheorie auf die Mensch-Tier-Beziehung übertragbar ist. Hierbei ist die Du-Evidenz Fähigkeit von zumindest einem Partner zwingende Vorrausetzung. Die Nähe zum Tier wird durch die Häufigkeit von Streicheln, Fellpflege und gemeinsamer Aktivität geprägt.

Ob Tiere im Rahmen der TGT das Arbeitsmodell, nach der Bindungstheorie positiv beeinflussen kann, ist noch nicht nachgewiesen. Jedoch haben Zilcho-Mano und Mitarbeiter 2011 in einer Übersicht gezeigt, dass eine längere Beziehung mit einem Tier durchaus ähnliche Bedürfnisse stillen kann wie eine nahe Bezugsperson (Wohlfahrt; Mutschler; Bitzer (2013, S. 9f): Wirkmechanismen tiergestützter Therapie. Aktuelle Ergebnisse aus der Projektarbeit des Freiburger Instituts für tiergestützte Therapie. Hg. v. Freiburger Institut für tiergestützte Therapie. Freiburg (4). Online verfügbar unter http://www.tiere-begleiten-leben.de/fileadmin/medien/tiere-begleiten-leben/Forschung/Forschungbericht_4_Wirkmechanismend_Tgt.pdf.).

 

6Wirksamkeit der Tiergestützten Therapie, in Hinblick auf Klienten mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung

Aufgrund der weit gefächerten Möglichkeiten des Einsatzes der TGT, wird im Folgenden einige die von Linehan beschriebenen Verhaltensmuster der BPS, hinsichtlich der TGT beleuchtet.

 

6.1 Emotionale Fehlregulation: Tiere als Stabilisator

Wie unter dem 2. Kapitel „Borderline Persönlichkeitsstörung“ beschrieben, haben diese Klienten einen großen Problembereich der Affektregulation. Unter starkem Stress werden Emotionen vielfach nicht mehr differenziert wahrgenommen. Oft erleben die Klienten mehrmals täglich, stark aversives Spannungserleben (Bohus, 2002, S.6). Linehan beschreibt das bei BPS Klienten die emotionale Fehlregulation auf die hohe Verletzbarkeit zurückzuführen ist und damit die Unfähigkeit, Gefühle zu steuern, einhergeht. Sie schreibt das je stärker eine Person emotional verletzt ist desto größer ist die Notwendigkeit, Emotionen zu steuern (Linehan, 2008, S.33) Hier entstehen zwei Mögliche Ansätze, um die TGT zu nutzten. Zum einen die Stressreduktion um Emotionen differenzierter wahrnehmen zu können und zum anderen das Erlernen von emotionaler Steuerung.

Tiere können nachweislich den Blutdruck und die Herztätigkeit senken, was eine Stressreduktion zur Folge hat. Wenn man ein Tier streichelt lässt insgesamt die Muskelanspannung nach. Der Veterinärmediziner R.D. Ryder beschreibt die physiologischen Veränderungen mit „Loosening the stiff upper lip“ und erläutert damit, dass Tiere beruhigend und befreiend auf den Menschen wirken. Er vermutet, dass diese Wirkung auf zwei Punkte beruht. Zum einen fordern Tiere kein „gutes Benehmen“ und zum anderen erlauben sie uns, so zu sein wie wir sind, da sie selbst ebenfalls keiner ihrer natürlichen Funktionen verbergen. Hierzu gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis wie im Falle des sinkenden Blutdrucks, sondern Vermutungen und Evidenzen liegen hier zu Grunde (Greiffenhagen; Buck-Werner, 2007, S.24). 1983 erkannte hingegen MC Culloch durchaus den Zusammenhang zwischen Tierkontakt und Einfluss auf den neuro-endokrinen Regelmechanismus bei psychosozialer Belastung, welches lösend auf den Menschen wirkt. Hierbei werden das interne Opiatsystem oder morphinartige Substanzen wie das Beta-Endorphin angeregt. Dieses vermittelt im Gehirn die Integration von sinnlichen Wahrnehmungen die mit Schmerz und Gefühlsverhalten zu tun haben. Dabei werden Opiate und Endorphin2 ausgeschüttet, wenn durch psychosoziale Belastungen eine neuroendokrine Stressreaktion entsteht. Tiere helfen zu den eigenen Gefühlen zu kommen und fördern positive, hormonell gesteuerte Regulationsmechanismen wie Stressreaktion und Steigerung des Glücksgefühls (Pottmann-Knapp, 2012, S 229). Das heißt das bevor man emotionale Steuerung erlernen kann, muss man sie erst spüren um sie greifbar zu machen, Tiere können der Weg zu den eigenen Gefühlen sein.

Die Emotionalität beschreibt alle Gefühlsregelungen des Menschen, die von Entspannung und Erregung begleitet wird. Studien zu Folge erlernt man durch Tierkontakt emotionale Selbststeuerung und Affektregulierung, da Tiere Gefühle verstärkt und somit Erregung und Beruhigung auslösen (Pottmann-Knapp, 2012, S.124).

 

6.2 Interpersonelle Fehlregulation: Tiere als Bindeglied zwischen Klient und Therapeuten

Das Gefühl „anders zu sein als alle anderen“, „isoliert und abgeschnitten“ von der Welt der Wirklichkeit, dabei „einsam, verlassen und unberührt zwischen allen anderen“ zu existieren ist eine grundlegende Wahrnehmung von Patientinnen mit BPS. Viele berichten, dass sie dieses Gefühl bereits im Kinder-und Jugendalter kannten. Nicht zu missachten ist die dazu noch die ausgeprägte Angst, verlassen zu werden und sowie das Regulationsproblem von Nähe und Distanz (Bohus 2002, S.7).

Dieses Gefühl von Distanz zu allem kann die Beziehungsgestaltung und den Vertrauensaufbau zum Therapeuten erschweren. In der TGT gibt es einen Ansatz, der diesen Aufbau erleichtern könnte. Levinson erkannte das Tiere im Zusammenhang mit Kindern eine Katalysatorwirkung haben. Kinder können in der Gegenwart von Tieren, eine angstfreie Verbindung zu einem fremden Therapeuten aufnehmen. Daraus folgt, dass Tiere den Aufbau einer tragfähigen Beziehung erleichtern (Prothmann, 2014, S.66). Diese Verbindung wurde auch zwischen der Patient-zu Patient- Beziehung erkannt und in aktuellen Studien gesichert (Greiffenhagen; Buck-Werner, 2015, S.168). Tiere denken nicht in Kategorien, sondern beschränken sich auf das Hier und Jetzt. Diese Tatsache ist gerade im therapeutischen Setting gut nutzbar, da Tiere in ihren interaktionellen Reaktionen auf den Menschen, frei von Vorurteilen oder Bewertungen sind (Pottmann-Knapp, 2012, S.142).

Auch nutzt die TGT die Aktivierung das Oxytocin Systems, das sich positiv, auf Führsorgemechanismen und die direkte oder indirekte soziale Bindungsfähigkeit auswirkt. Das Oxytocin System, spielt für die Paar-Bindung und die Mutter-Kind-Beziehung eine entscheidende Rolle. So wird es im Buch „Bindung zu Tieren“ beschrieben. “Hierdurch werden beziehungsfördernde, sowie angst-und stressreduzierte Effekte ausgelöst, die es Pädagogen und Therapeuten wesentlich erleichtern, Beziehung zu Personen herzustellen, die das sonst kaum zulassen würden“ (Julius; Beetz; Kotrscha; Uvnäs-Moberg, 2014 S.184).

 

6.2.1 Interaktionsbrücke

Wenn man davon ausgeht, das Klienten, sich in einer Psychiatrie in ihrem Selbstwertgefühl geschwächt fühlen und die Interaktion schwer zu gestalten ist, beschreiben Greiffenhagen und Buck-Werner die Verbindung zu Tieren im klinischen Kontext als eine sehr große Interaktions-Hilfe.

Wie gering das Selbstwertgefühl eines Patienten auch sein mag, das Tier nimmt einen niederen Rang ein als er selbst. Das verleiht dem Patienten Oberhand und wertet sein Selbstwertgefühl auf. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass er mit dem Tier das erlebt, was er im Zusammensein mit anderen Menschen immer wieder erfährt: Zurücksetzung und Demütigung. Die Grundidee liegt nun darin, dem Erkrankten ein Tier zuzuführen, das ihm keine Angst macht und das ihn liebt und bewundert. Das Tier dient dann als Katalysator beim Aufbau einer angemessenen und befriedigenden sozialen Interaktion mit dem Tier, woraus sich eine Beziehung entwickelt. Dann dehnt sich allmählich der Kreis sozialer Kontakte erst auf die Person aus die TGT anbietet, später auch auf andere Personen und das Klinikpersonal. Im letzten Schritt wird auch die Welt außerhalb des Krankenhauses in den Kreis einbezogen. Die anfangs nonverbale Form der Interaktion wird dabei durch verbale Kommunikation und eine breiter werdende Palette verschiedener Stimmungen und Gefühle ersetzt (Greiffenhagen; Buck-Werner, 2015, S.173).

Auch Levinson, der den Beginn der modernen TGT einläutete, brachte 1964 eine Fallstudie zu diesem Thema heraus. Er beschrieb, wie eines seiner Klienten mehrere Therapiesitzungen kein Wort sprach und erst durch die Anwesenheit eines Hundes, dieser zu kommunizieren begann.  2006 veröffentlichten Prothmann, Bienert und Ettrich ein Forschungsprojekt in der Kinder-und Jugendpsychiatrie. Dort stellte man fest, dass Kinder mit unterschiedlichen psychiatrischen Störungen sozial offener waren, wenn eine Hund während einer psychotherapeutischen Sitzung anwesend waren (Julius; Beetz; Kotrscha; Uvnäs-Moberg, 2014 S.64f).

Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick schrieb „Man kann sich nicht nicht verhalten. Wenn man also akzeptiert, dass alles Verhalten in einer zwischenpersönlichen Situation Mitteilungscharakter hat, das heißt Kommunikation ist, so folgt daraus, dass man, wie immer man es auch versuchen mag, nicht nicht kommunizieren kann. Handeln oder Nichthandeln, Worte oder Schweigen haben allen Mitteilungscharakter: sie beeinflussen andere, und diese anderen können ihrerseits nicht nicht auf diese Kommunikation reagiere und kommunizieren damit selbst“ (Watzlawick; Beavin; Jackson 1982, S, 51). Zwar spricht ein Tier nicht die gleiche Sprache wie ein Mensch, aber gerade deswegen trifft genau dieser Satz für Mensch und Tier gleichermaßen zu.

 

6.3 Fehlregulation der Selbstidentität: Tiere als Selbstwirksamkeitsförderer

Viele BPS Klienten berichten laut Bohus über ein tiefgreifendes Gefühl der Unsicherheit bezüglich der eigenen Identität und Integrität. 70% aller Patienten geben an, dass sie kein sicheres Gefühl dafür hätten, wer sie wirklich sind und ca. die Hälfte aller Klienten empfinden „abgeschnitten von sich selbst“ oder „weit weg von sich selbst zu sein“.

In einer Aufzählung von diagnostischen Kriterien um eine BPS zu diagnostizieren leiden diese Klienten unter einem ausgeprägten und andauernden instabilen Selbstbild und einem Gefühl der chronischen Leere (Bohus, 2002, S.6f). „Tiere können auf Menschen beruhigend und stabilisierend wirken. Im Falle einer Mensch-Tier-Beziehung schützt die Beziehung den Menschen vor Leere, Vereinsamung und Sinnlosigkeit oder hilft Diesen zu überwinden“ (Pottmann-Knapp, 2012, S.229). Albert Bandura, ein kanadischer Psychologe, unterscheidet vier Quellen für den Erwerb von Kompetenzerwartungen:

1. Handlungsergebnisse in Gestalt eigener Erfolge und Misserfolge

2. stellvertretende Erfahrung durch Beobachtung und Verhaltensmodellen

3. Sprachliche Überzeugung (z.B. Fremdbewertung von Selbstinstruktionen)

4. Wahrnehmung eigener Gefühlserregungen

Wenn diese gestärkt würden, könne die Selbstwirksamkeit, die eine wichtige Voraussetzung für kompetente Selbst-Handlungsregulation ist, angebahnt werden.

Diese Stärkung folgt durch wohldosierte Erfolgserfahrungen, die der Klient durch die Arbeit im Bereich der TGT, erfährt. Der Umgang mit Tieren bietet eine Fülle von Möglichkeiten das Verhalten adäquat hinsichtlich sozialer Interaktion und möglicher Ursachen-Wirkungsbeziehung einzuschätzen (Wohlfahrt; Mutschler; Bitzer (2013, S.18): Wirkmechanismen tiergestützter Therapie. Aktuelle Ergebnisse aus der Projektarbeit des Freiburger Instituts für tiergestützte Therapie. Hg. v. Freiburger Institut für tiergestützte Therapie. Freiburg (4). Online verfügbar unter http://www.tiere-begleiten-leben.de/fileadmin/medien/tiere-begleiten-leben/Forschung/Forschungbericht_4_Wirkmechanismend_Tgt.pdf.)

 

7Potentielle Probleme der Tiergestützten Therapie in der Psychiatrie

Die größte Sorge hinsichtlich der TGT, die sich in einer Klinik als erstes herauskristallisiert, sind die hygienischen Gefahren wie Infektionen. Tiere sind keine desinfizierbaren Gegenstände.  Am häufigsten, treten im Zusammenhang mit Tieren Dermatophyten auf. Die Übertragung dieses Fadenpilzes erfolgt von Tier zu Mensch und andersherum (Schwarzkopf Institut, 2015 S.7). Nach den Ergebnissen des Schwarzkopf Instituts von 2015 bestehe immer ein Infektionsrisiko. Aber artgerechter Umgang mit den Tieren sowie Basishygiene (Händewaschen nach Tierkontakt ggf. Versorgung von Wunden, Impfungen von Mensch und Tieren, unverzügliche Behandlung kranker Tieren, Hinweis an Humanmediziner bei unklarer Krankheitsbild) minimiert das Risiko (Schwarzkopf Institut, 2015 S.19)“. Gemäß §23 Abs. 3 lfSG  gibt es in Deutschland kein Gesetz oder keine Verordnung, wodurch der Einsatz von Tieren in Kliniken verbietet. Tiere fungieren, in Kliniken, Arztpraxen, Rehabilitationskliniken und Tageskliniken als Co-Therapeuten und haben nicht den Status eines Medizinproduktes. Es gibt jedoch resistente Keime, die zu beachten sind und den Einsatz von Tieren am Menschen einschränkt. Laut dem Schwarzkopf Institut sollte man jedoch eindeutig sagen, dass es in Deutschland mehr Mensch – zu – Mensch Infektionen auftreten als solche von Tier auf Mensch, die sogenannten Zoonosen (Schwarzkopf Institut, 2015 S.9). „In Einrichtungen der Psychotherapie, Psychosomatik und Pädagogik gelten die Tiere gleichen falls als „Mitarbeitende“. Hier ist das Infektionsrisiko für Patienten, Klienten oder Schüler oft nahe oder gleich dem bevölkerungsüblichen, dass alle Menschen tragen, wenn sie am öffentlichen Leben teilhaben wollen“ (Schwarzkopf Institut 2015, S.10).

Im Innenraum sind Tiere große Allergien-Träger. Dieser Umstand muss mit bedacht werden und eine Abklärung erfolgen. Verletzungen wie Bisse und Kratzer, sind selten, können aber natürlich auftreten und sollten in jedem Fall vor allem in Kliniken schnellst möglich versorgt werden. Hier ist die Unfallverhütungsmaßnahme und eine fach-und sachgerechter Umgang mit dem Tier durch speziell ausgebildetes Personal im Bereich der Tiergestützten Intervention, zwingend notwendig.

Generell stellt die Ablehnung der TGT durch den Klienten, ein Problem dar. Klienten können nicht zu der Teilhabe gezwungen werden, da dies natürlich kontraproduktiv hinsichtlich des Beziehungsaufbaus und der Therapie ist. Daher ist die Akzeptanz der TGT und die Fähigkeit sich auf die TGT einzulassen bzw. die Möglichkeit/ Zeit diese zu erlernen, die Grundvoraussetzung für deren Einsatz. Speziell hinsichtlich der psychiatrischen Klientel ergeben sich aber weitere Probleme bzw. Aspekte:

·         Klienten könnten das Tier als Mensch-Ersatz empfinden und sich von Mitmenschen zurückziehen

·         Tiere können durch aggressive Klienten in Gefahr geraten

·         Durch Verlust, Abgabe oder Tod des Tieres kann es zu tiefgreifende Trauer komme Klienten können große Sorge oder Schuldgefühle dem Tier gegenüber entwickeln (Lederbogen, 2012, S. 48f).

8Fazit

Zusammengefasst ist zu sagen ist, dass die positive Wirkung von Tieren seit vielen Jahrhunderten genutzt wird, um Menschen zu helfen und auch Heilung zu schenken. Tiere dienen als Stabilisator, als Bindeglied und Interaktionsbrücke zum Therapeuten und wirken Selbstwirksamkeitsfördernd. Dennoch scheint Deutschland, was die TGT in Krankenhäusern angeht, durch seine vielen bürokratischen Regeln gehemmt zu sein. Die Verfasserin befindet sich gerade in diesem bürokratischen Kampf und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Etablierung von Tieren in Krankenhäusern bzw. Psychiatrien auf große Spannungsfelder trifft. Hygienevorschriften, werden hier zu Lande sehr korrekt eingehalten. Und weil Tiere als potentielle Keimträger empfunden werden, sind sie bekanntlich in Krankenhäuser untersagt.  Interessant sind hingegen die klaren Aussagen des Schwarzkopf Institutes, das die potentiellen Gefahren abmildert und einen positiven Ausblick auf die Akzeptanz von Tiere in Krankenhäuser und somit auf Psychiatrien gibt.

Im Falle der BPS, stoßen Therapeuten und Pflegepersonal oft an ihre Grenzen und sind auf neue Ansätze angewiesen. Diese Klienten fühlen sich oft nicht verstanden und befinden sich gefühlsmäßig auf einer einsamen Insel. Durch die Du-Evidenz haben sie das subjektive Gefühl, dass sie durch das Tier ein Partner an ihrer Seite haben. Die Wertfreiheit die Tiere vermitteln, scheint ein sehr großer positiver Aspekt auf BPS Klienten zu sein. Der Stressreduktive Effekt die Tiere auslösen, ist sicher nicht nur positiv für Klienten, sondern auch für den Therapeuten und wäre aus Sicht der Verfasserin, eine gute Prophylaxe für ein „Born out Syndrom“, welches häufig bei zu hohem langen Stressaufkommen, auch bei Therapeuten auftreten kann. Die Trennung vom Tier, nach Beendigung der Therapie oder durch den Tod des Tieres ist aufgrund der Fehlregulation im interpersonellen Bereich bei BPS Klienten kritisch zu sehen. Gefühle des wieder „Verlassen zu werden“ und „nichts Wert“ zu sein, könnten auftreten und die tiefgreifenden Symptome und das Gefühle „wieder mal“ in instabilen Beziehungen zu geraten, verstärken. Hierbei sollte man abwägen, welchen Nutzen jeder einzelne Klient durch die TGT erzielt und die genauestens die Chancen und Risiken abwägen. Die Trennung sollte vorsichtig und behutsam mit dem Klienten vor und nachbereitet werden.

Über die positiven Aspekte für die Klienten darf nicht vergessen werden, dass Tiere Lebewesen sind, die auch Rechte haben und Schutz bedürfen. Sie sollten nur von fachlich ausgebildeten Personen für die TGT genutzt werden, um den größten möglichen Nutzten für alle beteiligten Parteien daraus ziehen zu können. Nur ein Fachkundiger kann potentiellen Gefahren rechtzeitig erkennen und ihnen entgegenwirken. So kann er z.B.: prophylaktische Maßnahmen gegen Infektionen ergreifen, sensibel Anzeichen von Stress wahrnehmen und entsprechend handeln, um Gefahrensituationen für Mensch und Tier zu vermeiden. Abschließend ist festzustellen, dass Tiere keinen Psychiater und/oder Psychologen ersetzten, so wie in der Einleitung provokant gefragt wurde. Sie können aber eine wichtige Ergänzung des therapeutischen Teams darstellen. Von ihrer Fähigkeit schneller eine Brücke zu den Klienten zu aufzubauen und den gewünschten Katalysatoreffekt zu erzielen, profitieren die Therapeuten. Sie erlangen durch die TGT schneller einen Zugang zum Klienten, was die Therapie deutlich erleichtert und beschleunigen kann. Der Klient erhält also schneller die Hilfe und Unterstützung die er benötigt, es wäre denkbar, dass die doch oft sehr langen Liegezeiten für BPS Klienten sich verringert und sich dadurch ein zusätzlicher wirtschaftlicher Nutzen ziehen lässt.

Derzeit befindet sich die Verfasserin in einem praktischen TGT Projekt mit einer BPS Klientin, welches noch am Anfang steht und noch nicht repräsentabel erscheint, um in dieser Arbeit Raum zu finden. Dennoch ist zu erwähnen, dass der therapeutische Zugang sich deutlich stabilisiert hat und auch Tagesstrukturen besser gestalten werden.  

Daher ist die Verfasserin überzeugt, dass die regelmäßige Tiergestützte Therapie in einer Psychiatrie, von ausgebildeten, verantwortungsvollen Fachkräften, eine sehr bereichernder und vor allem wirkungseffektiver Bestandteil in der Arbeit mit Borderline Persönlichkeitsstörungen sein würde.

 Nachtrag. seit 08.05.2018 dürfen wir im Elbe Klinikum Stade einmal die Woche zwei Kurse in der Psychiatrie therapeutisch begleiten. Unser Dank gilt Frau Grabbe Oberärztin der US2 und Prof. Dr. Huber für die Chance.

9. Literaturverzeichnis

 

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